Erster Mieterhöhungsstreik erfolgreich: Massen-Mieterhöhung in München gestoppt!
Rund 80 Mieter sagen Nein – und gewinnen. Der erste erfolgreiche Mieterhöhungsstreik in Fürstenried West zeigt: Wer sich zusammenschließt, zahlt am Ende weniger.
Das Quartier Fürstenried West im Münchner Südwesten umfasst rund 15 Hektar mit etwa 1.500 Wohnungen für knapp 3.000 Menschen. Bis 2030 sollen weitere 620 Wohnungen entstehen.
Eigentümerin ist die Quartier FÜRstenried West GmbH & Co. geschl. InvKG, getragen von Versorgungseinrichtungen der Bayerischen Versorgungskammer – ein mächtiger institutioneller Akteur auf dem Wohnungsmarkt.
Massenerhöhung der Miete während der Sommerferien
Mitten in den Sommerferien platzte die Nachricht: Mieterhöhungen auf die ortsübliche Vergleichsmiete, flächendeckend in mehreren Häuserblöcken im Quartier. Gefordert wurden im Durchschnitt 7 bis 8 Prozent mehr Miete.
Und das in einer Situation, in der die Bewohner bereits massiv belastet waren durch Dauerlärm im Zuge der Nachverdichtungen und wiederkehrende Reparaturen.
Die Botschaft des Vermieters kam bei vielen so an: Mehr zahlen, obwohl sich die Lebensbedingungen laufend verschlechtern. Nicht nur das, die Hausverwaltung arbeitete unsauber: In vielen Fällen wurden veraltete Mietspiegel zur Begründung herangezogen. Offensichtlich war man sich der eigenen Sache sehr sicher. Zu sicher, wie sich bald zeigen sollte.
Für zusätzliche Verunsicherung sorgten Funde von Säcken mit der Aufschrift „Asbest“ an verschiedenen Stellen im Viertel. Die Auseinandersetzungen mit dem Vermieter über die für viele Mieter weiterhin unklare Gefahrenlage dauern bis heute an.
„Mehr zahlen für weniger Leistung? Nicht mit uns!“
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: „Mehr zahlen, für weniger Leistung? Nicht mit uns! Das war der einhellige Tenor der Haussprecher in dem Viertel“, erzählt Maximilian Rathke, Zweiter Vorsitzender der Mietergewerkschaft Deutschland e.V.

Unterstützt durch die Vereinsanwältin Katharina Happ, verweigerten rund 80 Mieterinnen und Mieter geschlossen die Zustimmung zu der Mieterhöhung. Damit entstand faktisch ein Mieterhöhungsstreik. Der BR und weitere Medien kamen in das Viertel und berichteten.
Mieterhöhung gestoppt – zumindest für die Organisierten
Nun ist klar: Die Mieterhöhung wurde gestoppt – zumindest für diejenigen, die sich dem gemeinsamen Vorgehen angeschlossen haben. Der Vermieter ließ die Klagefrist bis Ende Januar verstreichen. Die Wirkung ist konkret messbar: Bei einer durchschnittlichen Erhöhung von rund 70 Euro pro Monat und Haushalt ergibt sich eine Entlastung von etwa 50.000 Euro pro Jahr. Dieses Geld bleibt bei den Mietern und fließt nicht in die Taschen von Quartier.
Aber nicht alle Mieter blieben standhaft. Ein Teil – insbesondere außerhalb der organisierten Strukturen – stimmte den Erhöhungen aus Unsicherheit oder Angst doch noch zu. Sie müssen nun mehr zahlen.
„Das ist bitter, aber auch eine wichtige Lehre“, sagt Maximilian Rathke. „Nur, wer sich zusammenschließt und lernt, gemeinsam mit seinen Nachbarn die eigenen Interessen durchzusetzen, hat auf diesem Wohnungsmarkt eine Chance. Wer allein bleibt, zahlt drauf und gerät unter die Räder.“
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