Baustelle eskaliert in der Appenzeller Straße 135
Versperrte Terrassen, verdunkelte Wohnungen und Angst vor Schadstoffen: In der Appenzeller Straße 135 in München-Fürstenried West sorgt eine Baustelle für einen offenen Konflikt zwischen Mietern und Baufirma.
Montag in der Appenzeller Straße 135, Siedlung Fürstenried West. Als viele Mieter nach Hause kommen, erleben sie eine böse Überraschung: massive Spanplatten wurden in die Terrassentüren geschraubt und verdunkeln die Wohnung. Viele Terrassentüren wurden von außen verschlossen.
Wo gestern noch Stühle standen und Blumentöpfe, wo ältere Mieter am Nachmittag in der Sonne saßen oder Eltern mit ihren Kindern draußen waren, stehen nun Absperrungen. Viele Mieter können ihre Terrassen nicht mehr nutzen.
Weniger Licht in den Wohnungen und im Treppenhaus
Bis etwa 14 Uhr seien an einigen Stellen die Terrassen noch zugänglich gewesen, weil zunächst nur die Bereiche versperrt wurden, an denen die Balkone abgetragen wurden. Auf der anderen Hausseite wären die Terrassen zunächst durch Gitterzäune abgesperrt gewesen. Die Bewohner befürchten aber, dass auch dort bald Holzplatten vor den Terassentüren angebracht werden könnten.
Weitere Probleme betreffen nach Angaben von Bewohnern auch das Treppenhaus. Demnach wurden im Erdgeschoss der Appenzeller Straße 135 mehrere Fenster ausgebaut und durch Holzplatten ersetzt, um einen Durchgang für Bauarbeiter zu schaffen. Bewohner berichten jedoch, dass diese Konstruktion nicht ausreichend abgedichtet sei, sodass kalte Luft ins Gebäude ziehe und teilweise auch in den Wohnungen spürbar sei.
Auch die Beleuchtung im Treppenhaus wird kritisiert. Laut Bewohnern hängt derzeit eine provisorische Lichterkette durch mehrere Stockwerke, wodurch das Treppenhaus am Abend nur schwach beleuchtet sei.
Kritik der Bewohner
Die Mieter sagen: Man hätte die Arbeiten abschnittsweise durchführen können. Zwei Tage graben, isolieren, verputzen, wieder schließen. Dann wäre jede Terrasse schnell wieder nutzbar gewesen. Man hätte statt der Sperrholzplatten lichtdurchlässige Plexiglasscheiben als Sperre anbringen können.
Die Bewohner denken auch an den Sommer. Wenn die Türen und Fenster geschlossen bleiben, staut sich die Hitze. Die Wohnungen könnten sich in Glutöfen verwandeln.
Selbsthilfe mit der Säge
Die Anwältin der Mietergewerkschaft, Katharina Happ, reagiert scharf. Sie rät den Bewohnern, schnell zu handeln. Wer solche Eingriffe einfach hinnimmt, könne sein Recht verlieren, sich dagegen zu wehren. Juristisch beruft sie sich auf die Selbsthilfe des Besitzers (§ 859 BGB).
Mehrere Bewohner haben inzwischen selbst gehandelt: Die verbauten Barrikaden wurden nach Angaben von Mietern bereits zweimal entfernt, zuletzt in der vergangenen Nacht.
Mögliche Gefahr für die Unversehrtheit der Wohnung und die Gesundheit
Zusätzlich berichten Bewohner von weiteren Eingriffen an Balkontüren. Demnach sollen Bauarbeiter über die Balkone Türen geöffnet, Schlösser verändert und die Türen so blockiert haben, dass die Wohnungen von außen über das Gerüst ohne weiteres von jedem betreten werden können, während die Mieter sie von innen nicht mehr öffnen können. Auch Fenster sollen betroffen sein. Insgesamt ändert sich die Lage täglich und ist entsprechend unübersichtlich.
Auf einigen Balkonen stehen bereits neue Fenster bereit, die aber deutlich kleiner sein sollen, wie die vorherigen Fenster. Bewohner vermuten deshalb, dass Arbeiten an den Außenwänden vorbereitet werden.
Die Angst geht im Haus um. Die Außenwände und die Bereiche rund um die Fenster und Türen könnten möglicherweise Schadstoffe enthalten. Wie soll der Schutz davor in den Wohnungen sichergestellt werden? In einem Schreiben an die Verantwortlichen warnt Anwältin Happ davor, dass bei dem Ausbau von Fenstern und Türen ohne ausreichende Untersuchung und Sicherung möglicherweise Staub freigesetzt werden könne, der gesundheitsschädliche oder sogar krebserregende Stoffe enthalten könnte.
Stellungnahme der Mietergewerkschaft
Die Mietergewerkschaft verurteilt das Vorgehen der Baufirma als skandalös. Gleichzeitig fordert die Anwältin die Verantwortlichen auf, bis spätestens Montag, den 9. März 2026 um 11 Uhr den ursprünglichen Zustand der Fenster- und Türanlagen im Balkonbereich wiederherzustellen und schriftlich zuzusichern, dass sich solche Eingriffe nicht wiederholen. Andernfalls kündigt sie an, dass Mieter ihre Wohnung vor dem Betreten durch Dritte durch weitere Selbsthilfemaßnahmen schützen werden.
Manche Mitglieder fragen sich inzwischen, ob hinter dem Vorgehen mehr steckt als nur eine stümperhafte Baustellenorganisation. Ist das gezielter Druck auf die Altmieter, um sie zu zermürben?
Das werden wir nicht hinnehmen.
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